Rendsburg/Eckernförde/Gettorf – Sechs Grundschulklassen warten heute auf Dr. Dr. Bettina Stein. Seit Beginn der ersten Stunde ist die Zahnärztin gemeinsam mit der Zahnmedizinische Fachangestellten Maike Claußen vom Fachdienst Gesundheitsdienste des Kreises Rendsburg-Eckernförde zu Gast an der Parkschule Gettorf. Ausgestattet mit Untersuchungsbestecken für jedes Kind und mobiler Zahnarztlampe und Laptop haben sie einen Klassenraum zum Untersuchungsraum umfunktioniert. Einzeln treten die Kinder ein, zeigen ihre Zähne, die Zahnärztin schaut in den Mund, diktiert ihrer Kollegin den Befund. Nach ein paar Minuten ist die Untersuchung vorbei.
Für den Kreis Rendsburg-Eckernförde arbeiten zwei Zahnärztinnen. Bettina Stein ist für die Einrichtungen im nördlichen Kreisgebiet zuständig, Kollegin Vivien Jarre für den südlichen Teil. Die beiden Zahnmedizinerinnen sind für die zahnmedizinischen Reihenuntersuchungen in Kindertagesstätten, Grundschulen, Förderzentren und weiterführenden Schulen zuständig. Rund 260 Einrichtungen sind es insgesamt. Wochentags sind sie vormittags in den verschiedenen Einrichtungen vor Ort. Gearbeitet wird immer im Team mit einer der beiden Zahnmedizinischen Fachangestellten des Kreises. Das sind Maike Claußen und Handan Dinger.
„Für unsere Arbeit gibt es einen gesetzlichen Auftrag. Wir bieten unsere Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig und flächendeckend sowie kostenlos im Kreis an“, sagt Bettina Stein. Besonders im Fokus haben sie dabei die Grundschulen. „Da erreichen wir nach der Kita erstmals alle Kinder.“ Sie schauen, ob Kinder Karies haben, ob es Kieferfehlstellungen oder andere Zahnerkrankungen gibt. „Falls es Behandlungsbedarf gibt, weisen wir darauf hin, dass ein Zahnarztbesuch zusätzlich zur halbjährlichen Kontrolle angebracht ist“, sagt Bettina Stein. Auf die Vorsorgeuntersuchungen des Kreises haben alle Kinder ein Anrecht. Alle Eltern erhalten nach der Untersuchung ein Informationsschreiben. Darin steht das Ergebnis der Untersuchung. „Wir wollen einen niedrigschwelligen Zugang zur zahnärztlichen Kontrolle ermöglichen. Außerdem versuchen wir, Vorurteile und Ängste abzubauen“, sagt Vivien Jarre. Die Mehrheit der Kinder kennt Zahnarztbesuche. „Aber es gibt auch Kinder, für die das etwas Neues ist“, weiß sie. Bei manchen sei die Angst vor dem Besuch zu groß. „Umso schöner ist es, wenn diesem Kind durch unseren Besuch geholfen werden kann“, sagt Jarre. Wenn die Zähne des Kindes beim nächsten Besuch versorgt seien, freuen sich die beiden Zahnärztinnen. „Dann sehen wir, wie sinnvoll unsere Arbeit ist“, sagt Stein. „Manchmal hören wir dann zum Abschied von den Kindern Sätze wie ‚Es war schön, dass du da warst‘“ oder ‚Wann kommt ihr wieder?‘“, berichtet Stein. Das motiviert beide.
Zurück im Büro geht es an die Auswertung. Alle Untersuchungsergebnisse fließen anonymisiert in die regelmäßige Gesundheitsberichterstattung des Landes Schleswig-Holstein ein. „Durch die Zahlen steuern wir im Kreis auch die zahnmedizinische Prophylaxe“, berichtet Stein. Für die ist die Kreisarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Jugendzahnpflege im Kreis Rendsburg-Eckernförde zuständig. Das Team besucht Kitas und Schulen, um den Kindern auf spielerische Art und Weise, die Zahnpflege und zahngesunde Ernährung näher zu bringen. „Erkennen wir zum Beispiel, dass es in einer Region oder Einrichtung verstärkt Kariesfälle gibt, können wir das Prophylaxe-Team darauf hinweisen“, sagt Stein. Angepasst an den jeweiligen Bedarf werden so auch spezielle Programme entwickelt, um die Karieslast zu senken.
Im Kreis lag der Anteil von Kindern im Alter von sechs bis sieben Jahren mit naturgesunden Zähnen im Schuljahr 2024/25 bei 63 Prozent - ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Trotzdem ist die Zahl der Kinder mit Kariesrisiko und behandlungsbedürftigen Zähnen weiterhin auf einem zu hohen Niveau, sagen die Zahnärztinnen. Zudem gibt es eine sogenannte Polarisation der Karies. Dies bedeutet, dass wenige Kinder viel Karies auf sich vereinen, während andere wenig oder gar keine kariösen Zähne haben. „Um gesundheitliche Chancengleichheit und bestmögliche Gesundheit für alle Kinder zu ermöglichen, sind Prophylaxe und Präventionsarbeit also weiterhin sehr wichtig. Mit dem Durchbruch des ersten Zahns geht es los“, sagt Bettina Stein. „Ab da gilt es, aufmerksam zu sein.“
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