Naturnahe Gartengestaltung
Klimaangepasste (Vor-)Gartengestaltung
Wie wirken sich die Folgen des Klimawandels auf die Artenvielfalt (Biodiversität) aus?
Extremwetter, wie Hitze, Dürre, Überschwemmungen und allgemeine Temperaturveränderungen bringen natürliche Lebensräume aus dem Gleichgewicht – mit tiefgreifenden Folgen für Artenvielfalt und Ökosysteme. Der Klimawandel läuft schneller ab, als sich viele Arten genetisch anpassen oder mit den Temperaturverschiebungen wandern können. Dadurch gehen Lebensräume und Nahrungsangebote für viele Arten verloren. Vielfältige Interaktionen zwischen den Arten können aus dem Rhythmus geraten.
Von den etwa 72.000 Arten in Deutschland einheimischer Tier-, Pflanzen- und Pilzarten wurden bislang etwa 40 % auf die Gefährdung ihrer Population hin untersucht und in Roten Listen erfasst. Fast ein Drittel aller Arten in den Roten Listen sind bestandsgefährdet, das heißt, sie sind vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet, etwa 3 % gelten bereits als ausgestorben.
Stark gefährdet sind viele Reptilien- und Amphibienarten sowie zahlreiche Insektenarten und andere Gliedertiere.
Insekten machen mit gut 70 % die artenreichste Gruppe aller Lebewesen aus und sind ein wesentlicher Bestandteil der biologischen Vielfalt. Von den knapp 50.000 in Deutschland vorkommenden Tierarten sind über 33.000 Arten – das heißt fast 70 Prozent – Insekten. Sie erfüllen wichtige ökologische Funktionen in Nahrungs- und Stoffkreisläufen und haben auch für den Menschen eine hohe Bedeutung. So sorgen sie für eine natürliche Schädlingsbekämpfung, vitale Böden und die Gewässerreinigung (Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Insektenschutz https://www.bundesumweltministerium.de/faqs/insektenschutz).
Unter den Wildbienen, zu denen auch die Hummeln gehören, zeigt knapp die Hälfte der 561 Arten Rückgänge. 16 Bienenarten sind bereits ausgestorben (Quelle: Insektenatlas 2020, S. 16 Hrsg. Heinrich- Böll-Stiftung, BUND Deutschland und Le Monde Diplomatique, https://www.boell.de/de/2019/12/18/insektenatlas).
Viele Insekten erbringen wichtige Leistungen für die Landwirtschaft. Eine Hummel kann bis zu 3.800 Blüten pro Tag bestäuben (Quelle: Quelle: Insektenatlas 2020, S. 10 Hrsg. Heinrich- Böll-Stiftung, BUND Deutschland und Le Monde Diplomatique, https://www.boell.de/de/2019/12/18/insektenatlas).
Von 1989-2014 lag der Rückgang der Gesamtbiomasse der Fluginsekten in Deutschland bei 76 % (Quelle: Hallmann et al. 2017 https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809).
Wieso sollte ich meinen Garten oder Balkon klimaangepasst gestalten?
Unsere einheimische Tier- und Pflanzenwelt hat sich in einem Hunderttausende von Jahren währenden Evolutionsprozess aneinander angepasst und ist für ihren Fortbestand voneinander abhängig. Mit dem Verlust der Pflanzenarten verschwinden auch die an sie angepassten Tiere. 31 Prozent der Wildpflanzen in Deutschland sind bestandsgefährdet (Quelle: Rote Liste der Pflanzen, Bundesamt für Naturschutz https://www.bfn.de/thema/arten#block-topic-summary-block). Das liegt unter anderem daran, dass ihre Lebensräume verschwinden: von Magerwiesen über Hecken bis zu Mooren.
Gärten, Balkone, Firmengelände und öffentliches Grün bergen enorme Potenziale für die biologische Vielfalt.
Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten sind knapp und jede Fläche, die ein Angebot an Nahrung oder Lebensraum bietet, zählt. Das gilt auch in unserem landwirtschaftlich geprägten Kreis.
Auch mit kleinen Flächen auf dem Balkon kann vielen Tieren Lebensraum und Nahrung geboten werden.
Veranstaltungshinweis
Die Verbraucherzentrale bietet eine Onlineveranstaltung mit dem Titel „Mein Garten: Schritt für Schritt klimafit“ am Mittwoch, 22. April 2026 11:00 bis 12:00 Uhr an.
Melden Sie sich für die Veranstaltung direkt bei der Verbraucherzentrale an.
Noch mehr Wissenswertes rund um den Naturgarten finden Sie auf der Webseite Tausende Gärten – Tausende Arten
Vorteile des Naturgärtnerns
- Naturnahes Gärtnern ist ressourcenschonend, nachhaltig und lässt der Eigendynamik im Garten Raum.
- Naturgärten müssen kaum gegossen werden und benötigen keinen Dünger. Damit ergibt sich eine Kostenersparnis durch die Verringerung des Pflegeaufwands.
- Naturnah angelegt Flächen kommen besser mit dem Klimawandel zurecht als konventionelle Grünflächen. Sie können sich nach Dürrephasen in der Regel gut erholen und meist sogar relativ unbeeindruckt weiterblühen.
- Auch Versickerungsflächen und Regenrückhalteflächen als Puffer für Überschwemmungen können mit heimischen Pflanzen gestaltet werden.
- Schotterflächen oder ehemalige Brachflächen sind ebenfalls gut naturnah zu bepflanzen. Viele heimische Wildpflanzen kommen mit mageren Böden klar.
- Es gibt für alle Boden- und Niederschlagsvarianten passende heimische Wildpflanzen. Heimische Wildstauden inklusive Pflanzplan finden Sie auf der Website Tausende Gärten
- Begrünte natürliche Umgebungen steigern das Wohlbefinden: Ein Aufenthalt im Grünen hellt das Gemüt auf
- Strukturreiche, eher naturnahe Flächen werden dabei monotonen Lebensräumen vorgezogen. Die positiven Effekte auf das psychische Wohlergehen werden durch hohen Artenreichtum noch verstärkt
- Auch für die Bildungsarbeit, vor allem mit Kindern, sind Naturflächen und der Kontakt mit heimischen Pflanzen und Tieren wertvoll. Man schützt nur das, was man kennt!
Funktionen von Vorgärten
Der Vorgarten dient als Visitenkarte des Hauses und ist das erste, was wahrgenommen wird. Neben dem repräsentativen Effekt erfüllen Vorgärten häufig weitere Funktionen, wie die Unterbringung von Mülltonnen und Fahrrädern. Eine Bepflanzung kann auch diese funktionellen Elemente gestalterisch einbeziehen.
Schottergärten
Als Schottergärten werden Gartenflächen bezeichnet, die großflächig mit Steinen bedeckt sind und in denen Steine das hauptsächliche Gestaltungsmittel sind. Pflanzen sind in Schottergärten nicht oder nur in geringer Anzahl und meist in einem strengen und künstlichen Formschnitt vorhanden.
Um Wildwuchs zu vermeiden wird eine Folie oder ein Vlies über dem Boden ausgebracht, das zunächst Regenwasser versickern lässt und Wildkraut verhindern soll. Nach einer gewissen Zeit nehmen jedoch die Funktionen des Vlies ab.
Hartnäckig hält sich das Gerücht, Schottergärten wären pflegeleicht. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Mit der Zeit sammelt sich zwischen Kies und Schotter organisches Material wie Laub an. Da Regenwasser zwischen den Steinen nicht gut abfließen kann, entsteht Algenwachstum.
Um die gepflegte Optik des Schottergartens aufrecht zu erhalten ist es schon nach relativ kurzer Zeit notwendig, den Steinbelag und das darunterliegende Unkrautvlies vollständig abzuräumen und zu reinigen. In der Regel wird dafür ein Hochdruckreiniger benötigt. Die Reinigung ist aufwändig und energieintensiv.
Gleichzeitig haben Schottergärten klimatische Nachteile. Im Sommer heizen sich Schotter und Steinflächen auf und erhöhen damit die Umgebungstemperatur, Wasser kann nicht versickern oder verdunsten was zusätzlich zur Erwärmung beiträgt.
Auch die ökologischen Nachteile von Schottergärten sind nicht unerheblich. Aufgrund des versiegelten Bodens und mangelnder Vegetation bietet ein Schottergarten weder Nahrung noch Nistmöglichkeiten für Insekten und Vögel. Gärten spielen jedoch eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt, da sie bei einer naturnahen Gestaltung ökologische Nischen für Tiere und Pflanzen bieten. In intensiv genutzten ländlichen Kulturlandschaften finden diese kaum noch Lebensmöglichkeiten und sind auf Unterstützung angewiesen.
Nachteile von Schottergärten
Schottergärten haben neben dem Nachteil der zeit-, und kostenintensiven Reinigung weitere klimatische und ökologische Nachteile.
- Die Fläche bietet keinerlei Lebensraum für Pflanzen und Tiere.
- Die natürlichen Funktionen des Bodens und das Bodenleben sind stark eingeschränkt.
- Regenwasser kann nicht ungehindert versickern. Bei Starkregen kann dies zu Überschwemmungen direkt am Haus führen.
- Für versiegelte Flächen fallen Niederschlagswassergebühren an, da das Regenwasser nicht versickern kann und über die Kanalisation abgeleitet werden muss. Kann das Regenwasser versickern, fällt für die entsprechende Fläche keine Niederschlagswassergebühr an.
- Da das Regenwasser nicht mehr versickern kann und kaum bis keine Pflanzen vorhanden sind, kann kein Wasser verdunsten, um die Umgebungsluft abzukühlen und dadurch das Mikroklima zu verbessern.
- Regenwasser verbleibt nicht im natürlichen Wasserkreislauf sondern wird über die Kanalisation abgeführt. Dadurch kann auch keine Grundwasserbildung stattfinden.
- Die Schotterfläche heizt sich in der Sonne stark auf. Das Material speichert die Wärme und gibt sie auch zeitverzögert an die Umgebung ab.
Gesetzlich sind Schottergärten über die Landesbauordnung Schleswig-Holstein verboten. § 8 Satz 1 LBO besagt, dass nicht überbaute Flächen „wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und zu begrünen oder zu bepflanzen sind, sofern dem nicht die Erfordernisse einer anderen zulässigen Verwendung der Flächen entgegenstehen.
Neben dem Verbot von Schottergärten über die Landesbauordnung, können Kommunen in Bebauungsplänen Festsetzungen zu weiteren gestalterischen Elementen vornehmen. Prüfen Sie daher bevor Sie Ihren Vorgarten umgestalten, ob es im Bebauungsplan für Ihre Siedlung bestimmte Vorgaben gibt, die zu berücksichtigen sind. Bebauungspläne finden Sie auf der Website ihrer Kommune oder im DigitalAtlasNord im Themenbereich Bauleitpläne SH.
Schottergärten sind nicht zu verwechseln mit Steingärten. Ein Steingarten ist im Gegensatz zur bewusst kahlen Fläche von Schottergärten eine bepflanzte Anlage, die sich an Vorbildern in der Natur orientiert. Hier dienen die Steine der Imitation der felsigen und nährstoffarmen Böden von Bergregionen und werden mit Pflanzen kombiniert. Die Hohlräume zwischen den Steinen bieten Versteckmöglichkeiten, Nistgelegenheiten oder Behausungen für eine Vielzahl an Tieren.
Für Menschen, die keine intensive Gartenarbeit betreiben möchten gibt es eine gute Nachricht: es ist möglich, einen Vorgarten begrünt und gleichzeitig pflegeleicht zu gestalten.
Begrünter Vorgarten mit Stauden und Gehölzen
Ein naturnah bepflanzter Vorgarten benötigt wenig Pflege, sorgt durch Verdunstungskühle für ein angenehmeres Klima an heißen Tagen und bietet Insekten Lebensraum und Nahrung. Dadurch leisten Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer einen Beitrag zur Anpassung an die Klimafolgen sowie zur Biodiversitätsförderung/-erhöhung. Gleichzeitig reduzieren Sie den Pflegeaufwand und tragen zu einer angenehmen Aufenthaltsqualität bei.
Vorteile eines begrünten Vorgartens mit Stauden und Gehölzen
Neben den Vorteilen des optischen Mehrwerts und des geringeren Pflegeaufwands weisen naturnah begrünte Vorgärten weitere ökologische und klimatische Vorteile auf.
- Ein begrünter Garten bietet Nahrung und Lebensraum für eine Vielzahl von Insekten und kleinen Tieren. Angesichts der schwindenden Artenvielfalt ist dieser Effekt besonders von Bedeutung.
- Bei Starkregen bietet der begrünte Vorgarten durch die Zwischenspeicherung und Versickerung von Regenwasser Schutz vor einer Oberflächenüberflutung
- Bei Hitze wirkt die Begrünung durch die Verdunstung kühlend auf die Umgebung und verbessert damit das Mikroklima am Haus
- Je dichter der Boden mit Pflanzen bedeckt oder auch durch Bäume oder Sträucher verschattet ist, desto weniger Feuchtigkeit wird aus dem Boden verdunstet und das Gießen ist seltener nötig.
Klimaangepasste Rasenalternativen
Ein Kräuter- oder Blumenrasen verbraucht im Sommer viel weniger Wasser als ein herkömmlicher Rasen. Im Kräuterrasen wachsen neben den Gräsern auch Kräuter wie Gänseblümchen, Kriechender Günsel oder die Schafgarbe. Diese Kräuter kommen mit sehr wenigen Nährstoffen aus. Die Wurzeln der Kräuter reichen tiefer als Graswurzeln in einem herkömmlichen Rasen. Deshalb bleibt ein Blumenrasen im Sommer länger grün, wenn man ihn nicht gießt. Durch die Blumen sieht er bunter aus und er ist gleichzeitig Lebensraum für viele Insektenarten. Ein Blumenrasen ist auch nicht so wüchsig muss je nach Niederschlag etwa nur alle 3 Wochen gemäht werden. So spart man sogar Zeit und Geld.
Bewässerung
Idealerweise pflanzen Sie Pflanzen, die zumindest zeitweise mit Trockenheit zurechtkommen. Denn in Zukunft wird es häufiger längere Phasen mit Trockenheit geben.
Für die Bewässerung in Ihrem Garten eignet sich Regenwasser besonders gut, da es im Vergleich zu Leitungswasser besonders weich und dadurch für Pflanzen ideal ist. Zudem reduzieren Sie Ihren Wasserverbrauch und dadurch Kosten, wenn Sie zur Bewässerung Regenwasser verwenden. Der Umwelt tun Sie damit ebenfalls etwas Gutes wenn Sie die kostbare Ressource des Trinkwassers schonen und das Regenwasser im natürlichen Wasserkreislauf halten.
Legen Sie sich dafür eine Regentonne oder eine unterirdische Zisterne an, in der Sie das Regenwasser sammeln.
Bestimmte Abdeckungen sorgen dafür, dass Stechmücken im stehenden Wasser keine Eier ablegen können.