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Helfen, wenn ein Kind in Not ist

Pressemitteilungen, Allgemeine News

Dänischer Wohld – Im ersten Stock ihres Einfamilienhauses stehen in einem kleinen Durchgangszimmer mehrere Kisten. Darin lagern Strampler, Hosen, Pullover und Bodys in verschiedenen Babygrößen. Im Schrank daneben stehen Babyflaschen mit verschiedenen Saugern und eine Auswahl an Schnullern. „Ich will vorbereitet sein“, sagt Saskia* (38). Denn in ein paar Monaten beginnt wieder ihre Rufbereitschaft. Jederzeit könnte dann ihr Telefon klingeln. Wenn es soweit ist, braucht ein Kind innerhalb weniger Stunden einen sicheren Ort. Die Bereitschaftspflegemutter aus dem Dänischen Wohld nimmt Kinder auf, die vorübergehend nicht bei ihren Familien bleiben können. Während der Rufbereitschaft steht sie rund um die Uhr dafür bereit.

Kurzfristig ein Kind aufnehmen

Der erste Anruf kam am 27. Dezember 2022. Saskia erinnert sich noch genau daran. „Ich kam gerade vom Nachtdienst, als der Anruf kam.“ In Kiel arbeitet sie in Teilzeit als Krankenschwester. Ob sie ein sieben Wochen altes Baby aufnehmen könne, am selben Tag noch. Sie war bereit. Drei Jahre hatte sie sich vorbereitet, hatte im Internet recherchiert, mit der Fachgruppe Pflegekinder und Adoption des Kreises Rendsburg-Eckernförde Kontakt aufgenommen, mit ihrer Familie Pro und Contra besprochen. Eine Stunde nach dem Anruf kam das Kriseninterventionsteam von „Familienhorizonte“ mit dem Baby. Der Träger ist im Kreisgebiet für Inobhutnahmen zuständig. Gemeinsam mit den Kreismitarbeitenden begleitet und betreut der Träger auch die Pflegefamilien. Das Kind blieb drei Wochen. Eine intensive Zeit.

Helfen, wenn ein Kind in Not ist

Saskia hat sich bewusst gemeinsam mit ihrer Familie für die Bereitschaftspflege entschieden. Sie ist zeitlich befristet und endet in der Regel spätestens nach sechs Monaten. Saskia nimmt speziell Kinder der Altersgruppe null bis eins auf. Andere Pflegefamilien kümmern sich um ältere Kinder, denn die Bereitschaftspflege ist für Kinder aller Altersstufen da. Saskia weiß, dass es dazugehört, die Komfortzone für eine gewisse Zeit zu verlassen und den Alltag komplett neu zu organisieren. Sie macht es glücklich, einem Kind in Not einen sicheren Ort, Halt und Zuwendung zu geben. „Ich möchte helfen, wenn die Situation akut ist und ein Kind Hilfe braucht. Aber eben alles zeitlich begrenzt“, sagt sie. Mit ihrem Mann hat sie zwei eigene Kinder im Schulalter. Noch ein Kind groß zu ziehen als Pflegeeltern auf Dauer, käme für sie nicht in Frage. „Ich übernehme aber gern die Aufgabe, spontan für eine Übergangszeit einzuspringen.“ Die damit verbundenen Herausforderungen, wie beispielsweise unruhige Nächte, nimmt sie auf sich. „Wenn das Baby zur Ruhe kommt, Fortschritte macht, es sich wohl fühlt, dann ist das toll und macht mich glücklich.“

Abschied nehmen und loslassen

Trotzdem bleibe der Trennungsschmerz, weiß sie. Das Loslassen passiert aber Stück für Stück. Kehrt das Kind in seine eigene Familie zurück, werden die Kontakte schrittweise ausgeweitet. Das gilt auch für den Fall, wenn das Kind in eine Dauerpflegestelle wechselt. „Trotzdem binde ich mich an einen Menschen mit dem Wissen, ihn bald wieder loszulassen. Das ist nicht einfach, aber ich nehme die Situation so an. Für mich gehören Abschiede zum Leben.“ Bei ihrem dritten Pflegekind, das als Neugeborenes in die Familie kam und 14 Monate blieb, fiel es ihr und auch ihrer Familie besonders schwer. Eigentlich war dieser lange Zeitraum auch gar nicht so geplant. Aber in diesem Fall brauchte es eine Ausnahme. Nach der Zeit nahm sich Saskia eine Auszeit von der Bereitschaftspflege. Diese Erholungszeiten planen auch „Familienhorizonte“ und die zuständige Fachgruppe des Kreises mit ein. „In dieser Zeit habe ich viel über mich gelernt“, sagt sie. Kraft schöpft sie aus dem Wissen, dem Kind etwas Gutes mit auf dem Weg gegeben zu haben. Und sie freut sich, wenn die Perspektive für ein Kind geklärt ist.

Herausforderungen, die sie bereichern

Für Saskia und ihre Familie ist die Bereitschaftspflege eine Bereicherung. Auch wenn ihr Alltag durch die Pflegekinder phasenweise durchaus turbulenter ist und ihre eigenen Kinder sie in dieser Zeit als Mutter teilen müssten: „Wir sind als Familie in den vergangenen Jahren emotional enorm gewachsen“, sagt Saskia. „Nicht nur mein Mann und ich, auch unsere Kinder machen Erfahrungen, die sie bereichern.“ Verantwortung übernehmen, für andere da sein, sich einsetzen: Diese Werte lebt sie ihren Kindern vor. „Wer Bereitschaftspflege machen möchte, sollte die Herausforderungen kennen“, sagt Saskia. Man sollte offen, spontan und reflektiert sein, sich Ruhephasen nach Sturmzeiten gönnen und die Zeit mit dem Kind ruhig auf sich zukommen lassen. „Meine Devise ist: Alles kann, nichts muss. Ich nehme die Situation so an, wie sie ist.“

Demnächst startet ihre Rufbereitschaft wieder. Vorher wird sie noch Milchpulver und Breigläser verschiedener Hersteller kaufen. „Dann ist wirklich alles vorbereitet für ein nächstes Pflegekind.“ Wann es kommen wird, weiß sie nicht. Bereit ist sie.

Bereitschaftspflegeeltern gesucht
Der Kreis Rendsburg-Eckernförde sucht aktuell Menschen, die sich besonders in der Bereitschaftspflege engagieren möchten. Sie sollten Einfühlungsvermögen haben, idealerweise beruflich und zeitlich flexibel sein und bereit sein, Kinder unterschiedlichen Alters kurzfristig aufzunehmen. Die Pflegestellen erhalten vom Kreis Rendsburg-Eckernförde ein monatliches Pflegegeld. Hierdurch werden die Kosten für den Lebensunterhalt des Kindes sichergestellt und der Erziehungsaufwand der Pflegestelle gewürdigt. Wer Interesse hat, kann sich an Manuela Schmidt (Telefon 04331 202-159, manuela.schmidt[at]kreis-rd.de) oder an Nele Panteleit (Telefon 04331 202-7088) wenden. Beim Träger „Familienhorizonte“ ist Kai Struve der Ansprechpartner (Telefon 0173 2331140). Ein nächster Informationsabend für Interessierte der Bereitschaftspflege findet am 23. Juli um 17 Uhr online statt. Anmeldungen nimmt Nele Panteleit (E-Mail nele.panteleit[at]kreis-rd.de) entgegen. Für alle, die sich grundlegend zum Thema Pflege informieren und alle Formen der Pflege kennenlernen möchten, gibt es am Donnerstag, 24. September, um jeweils 17 Uhr in der Kaiserstraße 19 in Rendsburg ein Infotreffen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen gibt es auch auf der Webseite des Kreises: Kreis Rendsburg-Eckernförde | Pflegekinder & Pflegeeltern | Kreis Rendsburg-Eckernförde.

 

*Zur Info für die Presse: Unsere Bereitschaftspflegeeltern arbeiten in einem sensiblen Bereich. Um die Pflegekinder und -eltern zu schützen, nennen wir in dieser Pressemitteilung nur den Vornamen der Pflegemutter und die Region, in der sie lebt.

BU: Bereitschaftspflege bedeutet, kurzfristig ein Kind in Not für wenige Wochen aufzunehmen: Saskia hat sich ganz bewusst für diesen Dienst entschieden.

Verantwortlich für Pressetext und -foto: Inga Lange, Pressesprecherin | Kreis Rendsburg-Eckernförde | Kaiserstraße 8, 24768 Rendsburg | Telefon 04331  202-145 | E-Mail: pressestelle[at]kreis-rd.de  | www.kreis-rendsburg-eckernfoerde.de