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Fachtag zum Thema häusliche Gewalt: Kinderschutz war Schwerpunkt

Pressemitteilungen, Allgemeine News

Rendsburg - Lidija Baumann, Leiterin des Kinderschutz-Zentrums Kiel, hatte für ihren Vortrag etwas Anschauliches mitgebracht. „Bei manchen Kindern ist der Lebensrucksack voll und schwer“, sagte sie und hielt einen Rucksack hoch. „Wer möchte ihn einmal tragen?“, fragte sie in die Runde. Eine Frau aus dem Publikum nahm den Rucksack in die Hand, ihr Arm gab schnell nach. „Und jetzt stellen Sie sich diesen Rucksack auf schmalen Kinderschultern vor“, sagte Baumann.

Beim ersten Fachtag „Kinder im Blick - Häusliche Gewalt als zentrale Herausforderung im Kinderschutz“ im Kreishaus in Rendsburg war die Beteiligung groß. Über 100 Fachleute unter anderem aus den Bereichen der Sozialarbeit, Politik, Schule, Polizei und der Frauenarbeit waren der Einladung des Kreises Rendsburg-Eckernförde gefolgt. Ziel war es, sich zu vernetzen und Input für die eigenen Arbeit zu bekommen. Gastgeberinnen waren die Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Silvia Kempe-Waedt, Kathrin Zarske, Koordinatorin des KIK-Netzwerkes bei häuslicher Gewalt, und Mirja-Theresa Meyn, Netzwerkkoordinatorin für die Frühen Hilfen und Kinderschutz im Kreis.

Die Veranstaltung startete mit Grundlagen. Silvia Kempe-Waedt informierte über die Istanbul Konvention von 2011, die in Deutschland 2018 ratifiziert wurde. Mit diesem Übereinkommen des Europarates soll Gewalt gegen Frauen verhindert und bekämpft werden. „Die Istanbul Konvention ist das erste gesamteuropäische Rechtswerk, das die Gewalt gegen Frauen und Mädchen und deren Abbau beim Namen nennt. Sie definiert Gewalt gegen Frauen nicht als individuelles Schicksal, sondern als gesellschaftliches Problem, das staatliches Handeln erfordert“, sagte Kempe-Waedt. Vernetzung sei deshalb wichtig. „Es ist unsere gemeinsame Verantwortung. Wir müssen Betroffene ernst nehmen und ihnen mit Fachwissen, Empathie und Entschlossenheit begegnen“, appellierte sie an die Fachleute.

 

Kathrin Zarske, Regional-Koordinatorin des KIK-Netzwerkes bei häuslicher Gewalt, stellte ihr Netzwerkarbeit vor. Danach leitete sie über zur praktischen Arbeit vor Ort. Wiebke Retter von der !Via Frauenberatung in Eckernförde berichtete von Präventionsangeboten an Schulen, die sie anbietet. „Wir wollen aufklären, enttabuisieren und informieren“, sagte sie. Wie erleben Kinder und Jugendliche die Zeit im Frauenhaus? Davon berichtete Andrea Gonschior, Leiterin des Rendsburger Frauenhauses. Eine Ausnahmesituation sei das für Mütter und auch ihre Kinder. Von jetzt auf gleich müssten sie ihr Zuhause, ihre Schule und ihre Freunde verlassen. Wichtig sei, in dieser Phase Sicherheit aufzubauen. Ziel sei es, dass Mütter und Kinder zur Ruhe kämen, um irgendwann wieder gestärkt gehen zu können.

Mit den Tätern arbeitet Thomas Speckmann-Bremer vom Packhaus Kiel. Auch er berichtete von seiner Arbeit. Er gab einen Einblick in das Denken der Täter und zeigte auf, wie er mit Tätern zum Thema Kinderschutz arbeitet.

BU: Organisierten den Fachtag: Die Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Silvia Kempe-Waedt, Mirja-Theresa Meyn, Netzwerkkoordinatorin für die Frühen Hilfen und Kinderschutz im Kreis und Kathrin Zarske, Koordinatorin des KIK-Netzwerkes bei häuslicher Gewalt (v.l.).

Verantwortlich für Pressetext und -foto: Inga Lange, Pressesprecherin | Kreis Rendsburg-Eckernförde | Kaiserstraße 8, 24768 Rendsburg | Telefon 04331  202-145 | E-Mail: pressestelle[at]kreis-rd.de  | www.kreis-rendsburg-eckernfoerde.de