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Militärflugplatz Hohn: PFA-Substanzen in Trinkwasserbrunnen

Allgemeine News

Hohn - Die Bundeswehr überprüft seit längerer Zeit ihre Militärstandorte auf Altlasten, auch den Flugplatz in Hohn. In den vergangenen Jahren rückte die Stoffgruppe der Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) in den Mittelpunkt. Erstmals wurden 2019 im Bereich des Feuerlöschübungsbeckens erhöhte PFAS-Werte auf dem Gelände nachgewiesen. Zu den Verunreinigungen kam es vorwiegend durch den Einsatz von PFAS-haltigem Feuerlöschschaum zu Übungszwecken, der damals erlaubt war.

Weiterführende Recherchen und Untersuchungen wurden durch die Bundeswehr in den Jahren 2020 bis 2025 durchgeführt. 2025 gab es erste verlässliche Daten, die den Verdacht nahelegten, PFA-Substanzen könnten über das Oberflächenwasser auch außerhalb des Militärgeländes gelangt sein. Der Fokus richtete sich dabei besonders auf das Trinkwasser. Denn viele Hausbesitzer im Gebiet um den Flugplatz herum beziehen ihr Trinkwasser aus sogenannten Kleinbrunnenanlagen. Das sind kleine Wasserversorgungsanlagen, die nur wenige Menschen mit Trinkwasser versorgen. Im November 2025 wurde vom Gesundheitsamt des Kreises Rendsburg-Eckernförde die Beprobung von ersten Trinkwasserbrunnen in der nahen Umgebung des Flugplatzes veranlasst.

Wasserproben

Bei allen Proben wurde auf die Stoffgruppen PFAS-20 und PFAS-4 getestet. Die bundesweit einheitliche Trinkwasserverordnung gibt seit diesem Jahr Grenzwerte für PFAS-20 im Trinkwasser vor. Ab 2028 kommen Grenzwerte für PFAS-4 hinzu. Das Gesundheitsamt hat beide Grenzwerte für die Einordnung der Analysenergebnisse zugrunde gelegt.

In der ersten Serie wurden 20 Brunnen in unmittelbarer Nähe zum Militärgelände untersucht. Die Ergebnisse wurden den Eigentümerinnen und Eigentümern zeitnah übermittelt. Bei vier Brunnen wurden PFAS-Werte über dem Grenzwert gemessen. In vier weiteren Brunnen wurden PFAS unterhalb des Grenzwertes nachgewiesen. Die übrigen Brunnen waren PFAS-frei.

Aufgrund der Ergebnisse der ersten Probenserie wurde der Untersuchungsraum ausgeweitet. Am 18. und 19. Dezember sind etwas mehr als 100 weitere kleine Wasseranlagen im Gebiet der Gemeinde Lohe-Föhrden, Königshügel, Alt Duvenstedt und Fockbek beprobt worden. Die Bürgerinnen und Bürger sind Anfang Januar per Brief über die Ergebnisse informiert worden. Die Ergebnisse der zweiten Probenserie: Drei Proben lagen über dem Grenzwert. In 20 Brunnen sind PFAS nachgewiesen worden, aber unter dem Grenzwert. Die anderen Brunnen waren frei von PFAS. Bei den Brunnen, die PFAS-Werte über dem Grenzwert haben, hat das Gesundheitsamt die dringende Empfehlung ausgesprochen, das Wasser nicht mehr zu trinken oder für die Zubereitung von Speisen zu verwenden. In den Fällen mit PFAS-Nachweisen ist nur die Empfehlung ausgesprochen worden, das Wasser nicht mehr zu trinken oder für die Zubereitung von Speisen zu nutzen. In Vorbereitung befindet sich jetzt eine dritte Probenserie. Sie umfasst 25 weitere Brunnen im östlichen Umgebungsgebiet des Flugplatzes.

Enge Abstimmung

Dies alles ist in engem Austausch mit der Bundeswehr, dem Amt Hohner Harde und den Bürgermeistern der Gemeinden Hohn, Lohe-Föhrden, Königshügel, Fockbek und Alt Duvenstedt erfolgt. Gemeinsam ist das Vorgehen abgestimmt worden. Alle sieben Brunnenbesitzer mit überschrittenen Grenzwerten werden derzeit mit Trinkwasser in Flaschen bzw. mit Geldgutscheinen für Wasser versorgt. Der erste betroffene Haushalt in Hohn konnte bereits an die zentrale Trinkwasserversorgung angeschlossen werden. Bei zwei weiteren Haushalten laufen die Vorbereitungen. Im Ortsteil Lohe ist dies allerdings nicht so einfach möglich. Dort liegen keine Leitungen eines Wasserversorgers. Der komplette Ortsteil wird über Kleinbrunnenanlagen versorgt. Ziel ist es, die Haushalte an die zentrale Wasserversorgung anzuschließen. Dieser Weg wird jetzt politisch vom Gemeinderat Lohe-Föhrden vorbereitet.

Bodenschutz/Abwasser

Beim Kreis Rendsburg-Eckernförde befassen sich neben dem Gesundheitsamt auch die Wasserbehörde sowie die untere Bodenschutzbehörde im jeweils eigenen Zuständigkeitsbereich mit dem Thema. Der Bodenschutz ist von Beginn an von der Bundeswehr über die Prüfungen auf dem Gelände des Flugplatzes informiert worden. Die Bundeswehr folgt dabei einem Altlastenprogramm auf Grundlage der Baufachlichen Richtlinien Boden-/Grundwasserschutz, spezifiziert für die Stoffgruppe PFAS. Hierbei handelt es sich um ein dreiphasiges Untersuchungsprogramm nach dem Bundesbodenschutzgesetz sowie der Bundesbodenschutzverordnung mit der Zielsetzung Kontaminationen zu erfassen, abzugrenzen, hinsichtlich ihrer Umweltgefährdung zu bewerten und im Bedarfsfall zu sanieren (mehr dazu hier).

Die orientierende Untersuchung auf dem Gelände ist abgeschlossen. Jetzt beginnt die Detailuntersuchung. Im Auftrag der Bundeswehr werden an drei PFAS-Quellen Grundwassermessstellen errichtet und beprobt. Auf der Basis der dabei gewonnenen Daten zu Grundwasserfließrichtung und Belastung lassen sich weitere Handlungen planen. Die Arbeiten erfolgen in Abstimmung mit dem Kreis (untere Bodenschutzbehörde). Parallel dazu plant die Bundeswehr Maßnahmen zur Sicherung der PFAS-Quellbereiche. Hierzu wird im Bereich der Feuerwache eine Behandlungsanlage für anfallendes Drainagewasser installiert, sowie die effektivste Abdichtung des Bereiches um das Feuerlöschübungsbecken ermittelt. Zusätzlich wird die routinemäßige Nutzung der Feuerlöschbrunnen eingestellt. Sie bleiben zunächst für Notfälle und zur Ermittlung des Grundwasserspiegels bestehen.

Die Wasserbehörde des Kreises kümmert sich um den Bereich Abwasser. Bei den betroffenen Haushalten mit PFAS-Grenzwertüberschreitungen wurde geschaut, wo es hinfließt. Die Beprobung von sechs Kleinkläranlagen, zwei auf Grundstücken mit Grenzwertüberschreitungen und vier, bei denen PFAS über der Nachweisgrenze liegen, läuft an. Der Kreis prüft jetzt außerdem, für welche PFAS-Verunreinigungen die Bundeswehr verantwortlich ist. Die Datenlage hierzu ist insbesondere im Bereich östlich vom Flughafen uneindeutig. Es sind weitere Untersuchungen notwendig, um ein ganzheitliches Lagebild zu erhalten. Es ist möglich, dass auch andere Verursacher in Frage kommen.

Abstimmung mit den Bürgerinnen und Bürgern

Zunächst haben die Bürgermeister mit den betroffenen Haushalten Kontakt gehalten und das Gespräch vor Ort geführt. Parallel dazu sind vom Kreis, Amt und den Bürgermeistern zwei Infoveranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr vorbereitet worden. Ein erstes Treffen mit den betroffenen Menschen, deren Brunnen PFAS-Grenzüberschreitungen aufweisen, fand am 4. Februar in Lohe-Föhrden statt. Das zweite Treffen mit den Menschen, bei denen im Trinkwasserbrunnen PFAS nachgewiesen wurden, fand am 23. Februar in Hohn statt.

Stoffgruppe PFAS

PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) sind extrem stabile chemische Verbindungen. Sie werden wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Fähigkeiten in vielen Bereichen des menschlichen Lebens eingesetzt, z.B. bei Antihaft-Pfannen, Regenjacken, in der Industrie, usw. Sie gelangen fortwährend (im Rahmen von Herstellungsprozessen über das Abwasser) in die Umwelt und werden dort kaum oder gar nicht biologisch abgebaut. Sie reichern sich so im Wasser, in der Luft, in den Böden und in der Folge auch in der Nahrungskette an. Umgangssprachlich werden die PFAS deshalb auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt. Manche von ihnen gelten als potentiell gesundheitsschädlich.

PFAS auf dem Flugplatz Hohn

Aufgrund der mittlerweile bekannten Umweltproblematik ist die Bundeswehr dazu übergegangen, derartige Schäume lediglich für den Ernstfall (Brandfall) vorzuhalten. Übungen mit diesen Schäumen finden in Hohn nicht mehrstatt. Weiterhin sind strenge Regeln für die Lagerung und das Handling eingeführt worden, sodass weitere Verunreinigungen außerhalb von Brandereignissen nunmehr ausgeschlossen sind.