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Wie werde ich ein ehrenamtlich rechtlicher Betreuer?

Welche Qualifikation benötige ich?

Was muss ich tun?

 

Ehrenamtlicher Betreuer ist derjenige, der eine rechtliche Betreuung außerhalb einer Berufstätigkeit übernommen hat. Der Begriff "Betreuung" ist etwas irreführend, gesetzlicher Vertreter wäre besser. Denn der rechtliche Betreuer hat den Betreuten immer dann zu vertreten, wenn dieser bestimmte Entscheidungen aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst treffen kann. Hierbei steht die Beachtung des Willens und der Wünsche des betreuten Menschen im Vordergrund.

Die soziale- oder gar gesundheitliche Betreuung hat der Betreuer nicht zu leisten, allerdings kümmert er sich um die Organisation.

Die Betreuung ist ein grundsätzlich unentgeltliches Ehrenamt, ausgeübt von zum Beispiel Angehörigen, Freunden, Nachbarn oder Berufskollegen.

Es gibt auch engagierte Mitbürger und Mitbürgerinnen, die diesen menschlich überaus wertvollen Dienst für Personen übernehmen, zu denen sie zuvor keine Kontakte hatten. Rund 60 % aller Betreuungen werden ehrenamtlich geführt. Davon wiederum sind ca. 85 % Familienangehörige des Betreuten. Diese sind vorrangig zu berücksichtigen, bevor Berufsbetreuern/-innen eingesetzt werden.

„Sollte ich nicht eigentlich von dem vielen „Guten“ was mir eigentlich widerfährt, nicht etwas abgeben an andere Menschen, denen es nicht so gut geht, die vielleicht sogar auf meine Hilfe warten?“ Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los. Und so wurde ich schließlich nach einem Gespräch mit einem Bekannten auf die ehrenamtliche Tätigkeit in Zusammenarbeit mit einem Betreuungsverein aufmerksam.*

Ein weiterer eigennütziger Aspekt wurde mir zusätzlich klar: Gerade mal 60 Jahre jung wollte ich doch noch nicht zum „alten Eisen“ gehören und meine grauen Zellen verkümmern lassen. Mein über Jahre hinweg auf Hochleistung getrimmtes Hirn wollte und durfte ich nicht deaktivieren.*

Welche Qualifikationen benötige ich?

Persönliche Voraussetzung:

  • Sie haben Verständnis für die Lebenssituation von Menschen mit Erkrankungen oder Behinderungen.
  • Sie haben 4 - 6 Stunden im Monat Zeit.
  • Sie sind bereit, mit Behörden, Banken, Ärzten, Pflegediensten in Kontakt zu treten und Notwendiges zu regeln.
  • Sie leben in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen.

Fachliche Qualifikation:

Der Betreuungsverein (BTV) bietet Schulungen für ehrenamtliche Betreuer/innen in Seminaren an. Die Teilnahme an einem  „Grundkurs Betreuungsrecht“ ist Voraussetzung für die Möglichkeit, als ehrenamtlicher rechtlicher Betreuer vorgeschlagen zu werden. In Ausnahmefällen kann darauf verzichtet werden, z. B. bei beruflicher Vorbildung oder persönlichen Erfahrungen aufgrund von Vollmachten im familiären Bereich.

Darüber hinaus ist der fortlaufende Kontakt zum Betreuungsverein und die Teilnahme an den Veranstaltungen erforderlich, denn dort erfahren Sie praxisnahe Beratung und Unterstützung.

Zudem haben Sie die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und Sie können sich zu allen Fragen des Betreuungsgesetzes beraten lassen.

Wie werde ich ehrenamtlicher rechtlicher Betreuer?

  1. Anmeldung zum Grundkurs bei einem Betreuungsverein Ihrer Wahl Z. B. BTV Rendsburg-Eckernförde: Hier füllen Sie Vordrucke aus, in denen Sie Ihre Daten angeben und die Personengruppen auswählen, die Sie betreuen möchten. Auch können Sie mitteilen, ob Sie mit dem PKW unterwegs sind oder lieber nur mit dem Fahrrad oder ÖPNV. Nach dem Grundkurs vereinbaren Sie bei der Betreuungsbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde einen Termin zum Kennlern-Gespräch. Dies ist hilfreich, da die Betreuungsbehörde den Amtsgerichten die in Frage kommenden Personen vorschlägt, die rechtliche Betreuungen führen können.
  2. Beim Termin in der Betreuungsbehörde werden Sie gebeten, einen Vordruck „Selbstauskunft“ auszufüllen. Dies ist die notwendige formale Prüfung Ihrer Eignung  als rechtliche/-r Betreuer/-in. Das Formular verbleibt in der Betreuungsbehörde.
  3. Nach diesen Terminen erhalten Sie zukünftig Anrufe des Betreuungsvereins oder der Betreuungsbehörde mit Anfragen, ob Sie aktuell zu Betreuende zunächst kennen lernen möchten.
  4. Entscheiden Sie sich für ein Kennlern-Gespräch mit einer hilfebedürftigen Person, melden Sie sich bei dieser Person und vereinbaren einen Termin für ein unverbindliches Treffen zum „Beschnuppern“. Somit haben beide Seiten nach dem Gespräch die Möglichkeit zu- oder abzusagen. Denn eine gute Zusammenarbeit setzt  voraus, dass „die Chemie stimmt“.
  5. Sie haben die Möglichkeit der Betreuungsbehörde oder dem Betreuungsverein mitzuteilen, ob Sie die Betreuung übernehmen möchten.  Die Betreuungsbehörde wird Sie dann als rechtliche/-r Betreuer/-in dem zuständigen Amtsgericht vorschlagen.
  6. Nachdem der zuständige Richter /die zuständige Richterin einen Beschluss gefasst hat, dass diese hilfebedürftige Person von Ihnen rechtlich betreut werden soll, werden Sie vom Amtsgericht kontaktiert.
  7. Sie vereinbaren einen Termin beim Amtsgericht, um Ihren Betreuerausweis abzuholen.
  8. Bei Übergabe des Betreuerausweises werden Sie von dem zuständigen Rechtspfleger/ der zuständigen Rechtspflegerin des Amtsgerichts belehrt und erhalten Informationsunterlagen.

Sie sind nun als rechtliche/-r Betreuer/-in eingesetzt und dürfen im Rahmen der auf dem Betreuerausweis genannten Aufgabenkreise tätig werden.

BITTE NICHT SCHON VORHER TÄTIG WERDEN.

Weitere ausführliche Informationen zum Thema „Ehrenamtliche rechtliche Betreuung“ finden Sie in der Broschüre des Ministeriums für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein mit dem Namen:

Öffnet externen Link in neuem FensterLeitfaden für die ehrenamtliche Betreuung

Neben der online zur Verfügung gestellten Version, erhalten Sie dieses ebenfalls beim Betreuungsverein, der Betreuungsbehörde oder direkt beim Ministerium.

 

 

 

 

*Zitate aus der Broschüre: „Rechtliche Betreuung Ein Reiseführer für Berufseinsteiger“, prosozial GmbH, Emser Straße 10, 56076 Koblenz, Erscheinungsjahr 2017