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Verbreitung

In Deutschland starben in den 50er Jahren 4.302, in den 60er Jahren noch 273 Menschen an Diphtherie. Seit den 90er Jahren werden bei hohen Impfquoten im Kindesalter nur noch Einzelfälle mit Migrationshintergrund gemeldet. Diphtherie kommt noch in manchen Staaten Afrikas, Asiens und Südamerikas vor und kann als Reisekrankheit erworben und eingeschleppt werden.
Die Diphtherie ist zwar durch die Schutzimpfung zurückgedrängt worden, kann aufgrund von Impflücken immer wieder lokal begrenzt auftreten.
Natürliches Reservoir von  Corynebacterium diphtheriae ist der Mensch.

Übertragung

Die Übertragung erfolgt von Bakterienträgern durch Tröpfcheninfektion wie zum Beispiel durch Husten, Niesen und Küssen. 20% der nicht geimpfen Personen stecken sich bei Kontakt an.
Eine indirekte Übertragung durch bakterienbehaftetes Material ist  möglich, aber selten.
Ansteckungsfähigkeit besteht, solange der Erreger in Sekreten und Wunden nachweisbar ist. In der Regel betrifft dies bei Unbehandelten einen Zeitraum von 2 Wochen, selten mehr als 4 Wochen, bei antimikrobieller Behandlung nur 2-4 Tage.

Inkubationszeit

Die Krankheit beginnt im Mittel 2 bis 5 Tage nach Ansteckung, längstens bis 8 Tage.

Krankheitsbild

Die Verlaufsformen sind unterschiedlich:
Die Bakterien erzeugen lokale Krankheitszeichen und toxische Fernwirkungen. Die produzierten Gifte führen zu Zellschäden bzw. Zellzerstörung und wirken auf Organe ein, auch von der eigentlichen Entzündungsstelle entfernt, wie zum Beispiel Herz, Niere und Leber. Dieses begründet die Komplikationen bei Diphtherie.

Komplikationen

Eine Herzmuskelentzündung kann in den ersten Tagen oder nach Wochen auftreten, Herzversagen mit tödlichem Ausgang ist möglich. Neurologische Störungen mit Lähmungen unterschiedlichster Art können auftreten,  Kopfnervenlähmungen, als erstes: Gaumenlähmung mit näselnder Sprache, aber auch  Augenmuskel- Gesichts- und Zwerchfelllähmungen sowie ausgedehnte Lähmungen der Körpermuskulatur. Zeichen der Nierenfunktionseinschränkung und Leberentzündung.

Diagnose

Die Diagnose und der Verdacht auf Diphtherie werden aufgrund des klinischen Bildes gestellt. Das Ergebnis des Nachweises des Krankheitserregers nach Abstrich in der Kultur ist frühestens nach 3 bis 4 Tagen zu erwarten. Dazu gehört noch der Nachweis des Toxingens.

Behandlung

Diphtherie - Antitoxin, als Gegengift, ein vom Pferd gewonnenes Immunserum, wird bereits bei Verdacht wegen der Krankheitsfolgen verabreicht und eine antimikrobielle Behandlung.
Bei Verschluss der Atemwege bei Kehlkopfdiphterie muss frühzeitig eine Freilegung der Atemwege erfolgen. Strenge Bettruhe in den ersten 4 Wochen.

Prophylaxe

Gegen Diphtherie wird eine Schutzimpfung als Leistung der Krankenkassen angeboten, die rechtzeitig und vollständig durchgeführt werden sollte. Bis ins 2. Lebensjahr erfolgt die Grundimmunisierung. Der Impfschutz bei den Klein- und Vorschulkindern ist in Deutschland mit über 95 % gut. Die empfohlenen Auffrischimpfungen im 5.-7. sowie im 9.-17. Lebensjahr werden jedoch häufig nicht mehr wahrgenommen, so dass ein Impfdefizit bei jüngeren Erwachsenen besteht. Auch werden die empfohlenen Auffrischimpfungen bei den Erwachsenen im 10-jährigen Abstand überwiegend nicht wahrgenommen, so daß gegenwärtig mehr als die Hälfte der Erwachsenen über keinen Immunschutz verfügt. Die Erwachsenen profitieren aber von einem, durch die hohe Impfquote der Kinder bedingten Herdschutz. Da bei Auslandsreisen dieser Schutz entfällt, sollte der Impfschutz vor Reisen in eines der zahlreichen Endemiegebiete unbedingt aktualisiert werden.
Kontaktpersonen aus der Wohngemeinschaft des Erkranken und der Gemeinschaftseinrichtung und andere Kontaktpersonen mit face-to-face- oder Körperkontakt, auch geimpfte Personen, sollen wegen der potentiellen Keimbesiedelung des Rachens zur Prophylaxe z.B. Penicillin oder Erythromycin über 7 Tage erhalten. Vorher sind mikrobiologische Abstrichuntersuchungen notwendig. Kontaktpersonen sollen für 7 Tage ärztlich überwacht werden. Der Impfschutz sollte vervollständigt werden und eine Auffrischimpfung durchgeführt werden, wenn die letzte Impfung mehr als 5 Jahre zurückliegt.
Eine Desinfektion der häuslichen Umgebung und der Einrichtung, die eine erkrankte Person besucht hat, ist erforderlich. Wenden Sie sich an Ihr Gesundheitsamt.

Gesetzliche Bestimmungen

Nach §§ 6 und 7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) ist der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod an Diphtherie und der Nachweis von Corynebacterium diphtheriae, toxinbildend meldepflichtig.

Nach § 34 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) dürfen Personen, die an Diphtherie erkrankt sind oder dessen verdächtig, oder Keimträger sind, Gemeinschaftseinrichtungen nicht besuchen. Dies gilt auch für Personen, in deren Wohngemeinschaft die Erkrankung oder der Verdacht auf Diphtherie aufgetreten ist und gilt analog auch für Kontaktpersonen der Gemeinschaftseinrichtung.
Eine Wiederaufnahme des Besuches einer Gemeinschaftseinrichtung ist nur mit Zustimmung des Gesundheitsamtes zulässig!
Vor Aufhebung der Verbote nach §§ 34 und 28 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) sind mikrobiologische Abstrichuntersuchungen als Nachkontrollen notwendig. Kontaktpersonen kann am 3. Tag nach Beginn der Antibiotikabehandlung der Besuch der Gemeinschaftseinrichtung wieder gestattet werden.