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Botulismus

Clostridium botulinum kommt im Erdreich vor. Die Bakterien vermehren sich nur unter Luftabschluß mit Bildung von Neurotoxinen (Nervengiften), auch schon bei niedrigen Temperaturen.  Die unterschiedlichen Neurotoxine wirken bei Menschen, bei Menschen und Tieren oder bei Tieren. Bakterien und Toxine (Gifte) sind hitzelabil. Bei Luftzutritt wandeln sich die Bakterien zu Sporen (Dauerformen) um, diese sind bis 100°C hitzeresistent.

Botulismus entsteht durch Aufnahme von Lebensmitteln, in denen unter Luftabschluß auskeimende Sporen zu giftbildenden Bakterien wurden. Zu den Lebensmitteln zählen geräucherter Schinken, Wurst, Pökelfleisch und Konserven bzw. Vakuumverpackungen von geräuchertem Schinken, Wurst, Fisch, schwach sauerem Obst und Gemüse.
Säuglingsbotulismus entsteht unter Auskeimen der Sporen zu giftbildenden Bakterien im Darm des Säuglings. Als sporenhaltige Lebensmittel gelten Bienenhonig und Ahornsirup, die aber nicht alle Krankheitsfälle erklären.
Wundbotulismus entsteht unter Auskeimen der Sporen zu giftbildenden Bakterien im Körper durch erdverschmutzte Wunden, durch Injektionen -dabei spielen auch sporenhaltige Drogen eine Rolle- und Operationen.

Inkubationszeit

Botulismus im Mittel 12 bis 72 Stunden, Säuglingsbotulismus 3 bis 30 Tage, Wundbotulismus 4 bis 14 Tage

Krankheitsbild

Die Neurotoxine verursachen an den Nerven irreversible Ausfälle und damit Lähmungserscheinungen der Muskulatur, u.a. an den Augen mit weit geöffneten Pupillen, Schielen, Doppelsehen, mit Schlucklähmungen, dabei  Mundtrockenheit, Atemlähmungen, Darm- und Blasenlähmungen mit Verstopfung und Harnverhalt. Das Krankheitsbild kann bei Botulismus mit Übelkeit und Erbrechen beginnen.

Diagnose

Der Verdacht auf Botulismus wird aufgrund des klinischen Bildes gestellt. Zur Diagnose gehören Giftnachweise aus Magen- Darminhalten, Wunden, Blut und Lebensmittel, auch über Tierversuch, und mikrobiologische Erregernachweise.

Behandlung

Schon bei Verdacht auf Botulismus wird Botulismus-Antitoxin, aus Pferdeserum gewonnen, verabreicht, nicht aber bei Säuglingsbotulismus. Es ist eine intensiv-medizinische Behandlung notwendig. Es kann Monate dauern, bis sich die Lähmungserscheinungen zurückgebildet haben.

Prophylaxe

Eingekaufte bombierte Büchsen und aufgeblähte Vakuumverpackungen nicht öffnen, nicht verzehren, sondern der amtlichen Lebensmittelaufsicht übergeben, ebenso eingekaufte Gläser aus denen Gas entwichen ist. Aber nicht alle Clostridium-botulinium-Stämme führen durch Eiweißzersetzung der Lebensmittel zu Geruchs- und Gasbildung.
Das Haltbarmachen mit Konservierungsstoffen und das Einkochen von Lebensmitteln erfordern besondere Kenntnisse, damit nicht Sporen überleben und Bakterien sich vermehren. Industriell werden kritische Lebensmittel weit über 100°C erhitzt, d.h. autoklaviert. Das Gros aller Vergiftungsfälle von Botulismus geht auf hauseigene Konserven zurück.

Gesetzliche Bestimmungen

Nach §§ 6 und 7 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) ist der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod an Botulismus und der Nachweis von Clostridium botulinum oder Toxin meldepflichtig.