Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Landrat des Kreises Rendsburg von November 1945 bis Januar 1946

Während der nationalsozialistischen Herrschaft etablierte sich der Agrarwissenschaftler Dr. Wilhelm Friedrich Boyens als Spezialist für die östlichen deutschen Provinzen. Er engagierte sich in Siedlungsgesellschaften und veröffentlichte mehrere Arbeiten über Siedlungsprobleme, Flurbereinigung sowie Bodenreform.

Der NSDAP trat Boyens nach deren Wahlsieg im März 1933 bei und ist damit ein typischer Vertreter der sogenannten Märzgefallenen. Mit diesem Begriff werden jene Mitglieder bezeichnet, die sich der Partei nach den großen Wahlerfolgen vorwiegend aus Opportunismus anschlossen. Seine zwischen 1933 und 1945 erschienen Publikationen zeigen zwar den üblichen NS-Jargon dieser Zeit, verbrecherische Hetzparolen lassen sich in diesen Veröffentlichungen aber nicht finden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Boyens von der britischen Militärregierung zum Landrat des Kreises Rendsburg ernannt. Dieses Amt behielt er jedoch nur wenige Monate. Im Januar 1946 wurde er Leiter der Landeskulturabteilung im Landwirtschaftsministerium in Kiel. Innerhalb des Ministeriums stieg er in den Folgejahren weiter auf wurde schließlich 1952 zum Landesbeauftragten für das Siedlungswesen ernannt.


Das Gutachten stellt fest, dass es sich bei Wilhelm Friedrich Boyens um einen Mitläufer gehandelt hat, der sich – soweit es sich anhand der zur Verfügung stehenden Quellen sagen lässt – zwar nicht an Verbrechen des NS-Regimes beteiligt war, aber die formalen Schritte der Mindestanpassung vollzog.