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Landrat des Kreises Eckernförde von Oktober 1926 bis Januar 1943

Als voll ausgebildeter Verwaltungsjurist und Regierungsassessor wurde Dr. Walter Alnor bereits 1926 mit der kommissarischen Leitung des Kreises Eckernförde betraut. Im März 1927 wurde er offiziell im Amt bestätigt und mit nur 34 Jahren der jüngste Landrat Preußens. 

Nach einem Überfall der SA auf das Eckernförder Gewerkschaftshaus im Jahr 1932 hatte Alnor vor Gericht noch den NSDAP-Politiker Joachim Meyer-Quade beschuldigt, die Unruhen bewusst herbeigeführt zu haben. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten zeigte sich Alnor aber anpassungsfähig und außergewöhnlich regierungsloyal. So ging auch die vielfach stattfindende Umbesetzung von Ämtern spurlos an ihm vorüber. Im Gegenteil wurde er vom preußischen Ministerpräsident Hermann Göring im Jahr 1939 zum preußischen Provinzialrat ernannt. 

Während des Zweiten Weltkriegs folgte Alnor dem Ruf Hinrich Lohses in die Zivilverwaltung der deutsch besetzten Ostgebiete. Offenbar war er durch seine langjährige Tätigkeit im Kreis Eckernförde positiv aufgefallen. Seit Juli 1941 fungierte er als Gebietskommissar von Libau (lettisch: Liepāja) im sogenannten Reichskommissariat Ostland. Bereits in den ersten Monaten wurde er dort Zeuge des Holocausts in Lettland. 

Im Jahr 1943 schied Alnor aus dem Staatsdienst aus und übernahm die Leitung der Landesbank und Girozentrale Schleswig-Holstein. Im September 1945 wurde er von den britischen Besatzungsbehörden suspendiert.


Das Gutachten stellt fest, dass Walter Alnor kein überzeugter Nationalsozialist der ersten Stunde war, sich jedoch nach 1933 rasch den neuen politischen Verhältnissen anpasste und keinen Widerstand leistete. Durch seine zahlreichen Posten und Mitgliedschaften war er mitverantwortlich für die nationalsozialistische Durchdringung des gesamten Alltags der Bevölkerung.