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Bereits in der Weimarer Republik (1918–1933) hatte der Landrat ein weites Aufgabenfeld. In seinen Händen lag die gesamte staatliche Verwaltung innerhalb eines Landkreises. In seiner rechtlichen Stellung war er Mittler zwischen Staats- und Selbstverwaltung. Dem Landrat unterstanden beispielsweise die Polizei, die Planung und Durchführung von Bauvorhaben sowie das Jagdwesen.

Durch die Ausschaltung der kommunalen Selbstverwaltung im Nationalsozialismus wurde das Landratsamt dann stärker an die vorgesetzten staatlichen Stellen gebunden. Mit dem Kreisleiter, der stets ein hochrangiger Parteifunktionär war, wurde ihm außerdem bewusst ein Kontrollorgan an die Seite gestellt.

Zu den neuen Aufgaben des Landrates gehörte ab 1933 die Überwachung und Koordinierung des „Arbeitseinsatzes“ ausländischer Zwangsarbeiter und Kriegsgefangener. Die Kontrolle dieser Arbeitskräfte durch die Kreispolizeibehörde fiel dabei ebenso in seine Zuständigkeit wie die Bereitstellung von Unterkünften und Verpflegung.

Um politische Gegner auszuschalten, konnte der Landrat auf das neu geschaffene Instrument der „Schutzhaft“ zurückgreifen. Es ermöglichte ihm, Verhaftungen „unliebsamer Personen“ ohne detaillierte Begründung durchführen zu lassen. Die „Schutzhaft“ erlaubte eine Inhaftierung allein aufgrund polizeilicher Anordnung ohne gerichtliche Kontrolle.

Hauptakteure der Judenverfolgung hingegen waren auf lokaler Ebene allerdings die NSDAP-Funktionäre. Nur in Einzelfällen konnten Hinweise gefunden werden, dass Landräte an der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Schleswig-Holstein und ihrer Deportation beteiligt waren. 

Welche Rolle die Eckernförder und Rendsburger Landräte konkret im Gefüge des Nationalsozialismus spielten, lässt sich anhand der verfügbaren Quellen aber oft nur bruchstückhaft rekonstruieren – besonders hervorgerufen durch die weitgehende Vernichtung von Akten während des Zweiten Weltkriegs.