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Der Kreis Rendsburg-Eckernförde ist aufgrund der jüngsten Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtes Schleswig verpflichtet, für Rindertransporte in Länder außerhalb der Europäischen Union sogenannte „Vorlaufatteste“ zu erteilen, sofern die betroffenen Rinder keine Anzeichen von Seuchenerkrankungen aufweisen. Der Schutzzweck von Vorlaufattesten beschränkt sich nach Auffassung des Verwaltungsgerichts auf den Schutz vor Tierseuchen und erstreckt sich nicht auf allgemeine Fragen des Tierschutzes.

Wegen dieses eingeschränkten Schutzzwecks von Vorlaufattesten untersagte der Kreis Rendsburg-Eckernförde am 28.03.2019 einen Transport von neun Rindern nach Marokko über eine Sammelstelle in Lünne (Niedersachsen) in einer ordnungsbehördlichen Anordnung auf Grundlage des Tierschutzgesetzes. Der Kreis begründete seine Anordnung damit, dass die Tiere auf dem Weg nach Marokko erheblichen Gefahren und Beeinträchtigungen ausgesetzt seien, die mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar wären. Entsprechendes gelte für die Verhältnisse, in die die Tiere in Marokko entlassen würden. Auch im Falle einer etwaigen Versagung der durch die Veterinärbehörde in Lünne noch zu erteilenden Transportgenehmigung und der damit verbundenen Rückkehr der Rinder zum Ausgangsort in Schleswig-Holstein verstoße der Transport gegen Tierschutzrecht. Denn in diesem Falle hätte der Transport der Rinder von Schleswig-Holstein nach Lünne von vornherein keinen vernünftigen Grund. Grundlose Transporte von Rindern über die Autobahn seien ebenfalls mit dem Tierschutzrecht nicht vereinbar.

Dem Organisator der Tiertransporte gelang es am 29.03.2019 in einem gerichtlichen Eilverfahren vor dem Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsgericht sowie dem Oberverwaltungsgericht, die Vollziehbarkeit der Anordnung auszusetzen. In seinem Beschluss (Az. 1 B 33/19) führte das Verwaltungsgericht sinngemäß aus, dass es dem Kreis Rendsburg-Eckernförde an der Zuständigkeit für die Beurteilung des Transportes nach Marokko fehle. Diese Beurteilung sei Sache der Veterinärbehörde in Niedersachsen. Auch könne der Kreis die Anordnung nicht darauf stützen, dass die Tiere nach sei-ner Einschätzung die in Lünne erforderliche Transportgenehmigung nicht erhalten und unnötig wieder nach Schleswig-Holstein zurückkehren würden. Die Prüfung, ob die Voraussetzungen für eine Transportgenehmigung vorliegen würden, sei erneut Sache der Behörde in Lünne.

Das Oberverwaltungsgericht bestätigte dies auf die Beschwerde des Kreises am Abend des 29.03.2019 (Az. 4 MB 24/19) und ging noch einen Schritt weiter. Im Ergebnis seien keine hinreichend konkreten Gefahren für die Tiere zu erkennen, sondern nur eine abstrakte Besorgnis, die für eine Ordnungsverfügung nicht ausreiche.