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Teilzeitarbeit und Minijob

Die Frauenerwerbstätigkeit steigt bundesweit. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2012 zeigt jedoch, dass 62,5 % der Mini-Jobber in Schleswig-Holstein Frauen sind.

Traditionelle Strukturen am Arbeitsmarkt, steuerrechtlichen Vorteile und innerfamiliären Rollenzuschreibungen und Arbeitsaufteilungen führen dazu, dass viele Frauen in Teilzeit arbeiten oder einen Minijob übernehmen. Je mehr Kinder eine Frau hat, desto kürzer ist ihre Arbeitszeit. Bei den Männern ist es meistens genau umgekehrt: je mehr Kinder, desto länger die Arbeitszeit.

Eine eigenständige Existenzsicherung ist, weder Frauen noch für Männer, durch Teilzeitarbeitsverhältnisse oder einen Minijob zu erreichen. Gerade Minijobs sind gekennzeichnet durch schlechte Arbeitsbedingungen und Dumpinglöhne. Nur wenige Frauen finden aus dem Minijob zurück in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, mit gravierenden Auswirkungen auf die Höhe der späteren Rentenleistungen.

 

Vereinbarkeit

Die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf stellt uns vor große Herausforderungen. 

Dies liegt unter anderem daran, dass es trotz moderner Partnerschaftsmodelle nicht zu einer gleichen Aufteilung der Haushaltsaufgaben gekommen ist. Frauen erledigen den Großteil der Arbeiten im Haushalt und der aktiven Versorgung der Kinder, egal, ob sie erwerbstätig sind oder nicht. Mit der Einführung der Vätermonate und des ElterngeldPlus haben Väter einen größeren Spielraum bekommen, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern. Das zunehmende väterliche Engagement zeigt, das moderne Väter Beruf und Familie aktiv vereinbaren wollen. Im Schnitt nehmen Väter 2 Monate Elternzeit. Das Engagement endet häufig nach Beendigung der Elternzeit, sobald der Mann wieder Vollzeit in den Beruf einsteigt. Die Präsenzkultur am Arbeitsplatz, Leistungsdruck und Zwang zu Überstunden sowie mangelnde Unterstützung im Betrieb lassen aktive Vaterschaft nach wie vor kaum zu. 

 

Lebensphasenorientiertes Arbeiten

Um eine geschlechtergerechte Erwerbspartizipation zu ermöglichen, bedarf es flexibler Arbeitszeitmodelle (Vertrauensarbeitszeit, mobiles Arbeiten, Teleheimarbeit und Gleitzeit) und eine familienfreundliche Unternehmenskultur (transparente Kommunikation, Beratung und Unterstützung). Eine Unterbrechung der Erwerbstätigkeit oder eine befristete Verkürzung der Arbeitszeit darf weder für Frauen noch für Männer zu beruflichen Nachteilen führen. 

Führen in Teilzeit

Bei den heutigen gesellschaftlichen und betrieblichen Rahmenbedingungen wird Teilzeit auch in den nächsten Jahren für Mütter oder Väter die Arbeitsform bleiben, um Berufstätigkeit mit Kinderbetreuung und/oder Pflege zu verbinden. Teilzeitarbeit kann jedoch zu verlängerten Karrierewegen, zum Karrierestillstand oder sogar zum beruflichen Abstieg führen. Die Verbesserung der beruflichen Chancen von Teilzeitkräften ist ein Dreh –und Angelpunkt der Personalentwicklung von Frauen und Männern, die Kinder versorgen oder Angehörige pflegen. 

Gleichstellungsarbeit richtet sich daher gezielt auf die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen. Ein wichtiger Baustein für eine moderne Arbeitsorganisation stellt hier die Option dar, Führungsaufgaben zu teilen, das sogenannte TopSharing, oder in Teilzeitarbeit möglich zu machen.

 

„Ausgezeichnet! Die Kreisverwaltung Rendsburg-Eckernförde erhält das Zertifikat zum familienfreundlichen Arbeitgeber“

Der Startschuss für das Projekt „Zertifizierung zum Familienfreundlichen Arbeitgeber“ fiel im Mai diesen Jahres. Am 15.12.2016 erhielt die Kreisverwaltung Rendsburg-Eckernförde nun das Qualitätssiegel in Form eines Zertifikates vom „audit berufundfamilie“. Im Rahmen der Auditierung wurde der Bestand der Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Kreisverwaltung begutachtet und es wurden weiterführende Maßnahmen für eine familienbewusste Personalpolitik definiert. Es wurde ein umfangreiches Maßnahmenpaket in Form einer Zielvereinbarung entwickelt, das es den Beschäftigten ermöglichen soll, Familie und Beruf faktisch besser zu vereinbaren. 

Bereits vorhandene Maßnahmen (Auswahl):

  • Teilzeit, Altersteilzeit und Gleitzeit
  • Freistellungen
  • Frauenförderplan
  • alternierende Teleheimarbeit
  • Personalentwicklungskonzept
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement

Darüber hinaus ist der Kreis im Rahmen dieses Projektes bestrebt, sich weiterzuentwickeln und neue Angebote zu schaffen. In der nun folgenden Projektphase werden Maßnahmen in den sechs Handlungsfeldern:

  • Arbeitsorganisation
  • Information und Kommunikation
  • Personalentwicklung
  • Arbeitsort
  • Führung
  • Service für Familien

umgesetzt. Geplant sind u.a. Informationsveranstaltungen, themenbezogene Fortbildungen, Verbesserung der internen Kommunikation sowie der Aufbau eines technischen Unterstützungssystems für Beschäftigte in der Freistellungsphase. 

Die Projektleitung wurde von Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer an die Gleichstellungsbeauftragte Silvia Kempe-Waedt übertragen. Sie wird vom Fachbereich Zentrale Dienste, der Projekt- und der Steuerungsgruppe unterstützt.

„Viele Kolleginnen und Kollegen stellt die Vereinbarkeit von familiären und beruflichen Verpflichtungen im Alltag vor große Herausforderungen und das erzeugt Stress. Hier individuelle Unterstützungsangebote zu machen zahlt sich nicht nur für einzelne Personen aus, sondern ist gut für das gesamte Betriebsklima. Somit kann die Motivation, beispielsweise nach der Elternzeit zügig wieder in den Job einzusteigen, gesteigert werden“ betont die Projektleiterin Silvia Kempe-Waedt. „Wir haben bereits gute Erfahrungen in der Implementierung des betrieblichen Gesundheitsmanagements“, ergänzt Nina Fiedler, Fachbereichsleiterin Zentrale Dienste. „Wir planen, diese Angebote mit Maßnahmen aus dem „audit berufundfamilie“ zu verzahnen mit dem Ziel, gesunde und zufriedene Beschäftigte im Haus zu haben, die gerne hier arbeiten.“ 

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Entgeltgleichheit

Überall in Europa verdient der Großteil der Frauen weniger als Männer. Bei vergleichbarer Tätigkeit und Qualifikation verdienen Frauen in Deutschland im Durchschnitt acht Prozent weniger als ihre Kollegen (bereinigte Lohnlücke). Das statistische Bundesamt beziffert die unbereinigte Lohnlücke auf 22 Prozent. Gründe: 

  • Viele Frauen arbeiten in Berufen, die schlechter entlohnt sind als Männerberufe, dazu gehören die Gesundheits-, Pflege- und Betreuungsberufe. In diesen typische „Frauenberufen“ liegt der Frauenanteil teilweise bei 80 Prozent.
  • Die Arbeitsleistung in diesen Berufen wird geringer bewertet und entlohnt als die Arbeitsleistung zum Beispiel in technischen oder handwerklichen Berufen. In diesen Berufsbereichen und Branchen fehlen Frauen (sogenannte MINT Berufe).
  • In den Verhandlungsrunden (Tarifkommissionen) von Gewerkschaft und Arbeitgeberverbänden sitzen mehrheitlich Männer, aber auch in den Führungspositionen wie beispielsweise den Aufsichtsräten. Die Belange von Frauen werden hier oft nicht berücksichtigt.
  • Frauen haben häufigere und längere familienbedingte Erwerbsunterbrechungen und -reduzierungen als Männer. 

Lohnlücke wird zur Rentenlücke

  • Niedrige Einkommen und Teilzeitbeschäftigung wirken sich komplett auf die Rentenanwartschaft aus. Die durchschnittliche Lohnlücke von 22 Prozent vergrößert sich im Verlauf eines frauentypischen Erwerbslebens zur durchschnittlichen Rentenlücke von 59 Prozent.