Arbeit und Beschäftigung
Neben den Beratungs- und Betreuungsangeboten ist ein wichtiges Element in der Wiedereingliederung suchtkranker Menschen der Bereich Arbeit und Beschäftigung. Folgende Angebote werden im Kreis vorgehalten.
Arbeitsprojekte für Suchtkranke
Die Arbeitsprojekte für Suchtkranke und psychisch behinderte Menschen mit einer einhergehenden Suchtproblematik (Komorbidität) dienen als Mittel zur Aktivierung und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und hilft, eine Versorgungslücke in der Eingliederung des o. g. Personenkreises im Wirtschaftsraum Rendsburg zu schließen.
Die Arbeitsprojekte von Brücke (20 Plätze) und Start (12 Plätze in Büdelsdorf und 12 in Eckernförde) bieten Arbeit in einem beschützten Rahmen an und bietet den Beschäftigten eine Tagesstruktur und die Möglichkeit, in einer sinnvollen Beschäftigung die Grundarbeitstugenden (wieder) zu erlernen, die häufig aufgrund langer Zeiten der Arbeitsunfähigkeit und/oder Berufslosigkeit verschüttet sind. Im Umgang mit Vorgesetzten, Arbeitskollegen und Kunden werden soziale Fähigkeiten trainiert.
Neben der für den therapeutischen Prozess wichtigen Einübung von festen Tagesstrukturen, wie den Wechsel zwischen Arbeitszeit und Freizeit und der zu-nehmenden Belastungsfähigkeit der KlientInnen kann das Ziel des Arbeitsprojektes auch bei nicht ausreichender Belastungsfähigkeit eine längerfristige Beschäftigung im Projekt oder die Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt sein.
Den unterschiedlichen Kenntnissen, Fähigkeiten und Neigungen entsprechend wird eine Wahlmöglichkeit geboten, die handwerkliche Tätigkeiten und Bürotätigkeiten umfasst und auch Frauen ein realistisches Betätigungsfeld bietet. Das Arbeitsprojekt tritt nicht mehr zu den Betrieben des Arbeitsmarktes in Konkurrenz, als es zu Erfüllung des Zweckes notwendig ist.
Suchtkranke und psychisch behinderte Menschen mit einer einhergehenden Suchtproblematik (Komorbidität) aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde sollen im Rahmen dieser Projekte Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnet werden, die zum einen den Übergang in arbeitsmarktorientierte Projekte erleichtern und zum anderen eine sinnvolle Tagestruktur ermöglichen, die zur Stabilisierung der Lebenssituation beitragen.
Der Bedarf ergibt sich aus Versorgungslücken, auf die Suchtkranke in ihrem Therapieverlauf stoßen und die für diesen Personenkreis, insbesonders auch für KlientInnen mit einer Doppelproblematik unüberwindbar sind:
- Suchtkranke finden nach Abschluss der Adaptionsbehandlung häufig keinen direkten Anschluss auf dem Arbeitsmarkt oder in Fortbildungsmaßnahmen. Das Arbeitsprojekt hilft derart Betroffenen, den im bisherigen Rehabilitationsverlauf gewonnen Fortschritt an Leistungsfähigkeit, Eigenständigkeit und Lebens- bzw. Tagesstruktur zu erhalten und weiter zu stabilisieren, bis eine adäquate Arbeitsmöglichkeit gefunden ist bzw. weitere Rehabilitationsbausteine greifen.
- Besonders schwer in den (Arbeits-) Alltag zu integrierende Personengruppen, wie KlientInnen mit einer Doppelproblematik, aber auch Drogenabhängige, insbesonders Substituierte, finden in dem Arbeitsprojekt Aufnahme und trainieren Belastbarkeit unter arbeitsähnlichen Bedingungen.
Eine weitere Zielgruppe sind Suchtkranke, die als Ergänzung zu einer ambulanten Therapie in diesem sozial stabilisierenden Arbeitsprojekt mitarbeiten und (beschützte) Erfahrungsräume gewinnen. - Ein Teil der suchtkranken und psychisch behinderte Menschen mit einer einhergehenden Suchtproblematik (Komorbidität) wird auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein, einer Erwerbsarbeit auf dem relativ hochschwelligen Arbeitsmarkt nachzugehen. Die fehlende Tagesstruktur erzeugt eine latente Rückfallgefahr. Die Teilnahme am Arbeitsprojekt bietet neben den stabilisierenden Lebens- und Arbeitsstrukturierungshilfen auch betreuende sozialpädagogische Hilfen und umfassen neben Krisen- und Konfliktbewältigung auch Angehörigenarbeit.
Die Arbeitsprojekte umfassen die Arbeitsbereiche:
- Werkstatt/ Service
- Büro
- Hauswirtschaft
In den unterschiedlichen Berufsfeldern Werkstatt/Service, im Bürobereich und in der Hauswirtschaft werden Tätigkeitsfelder mit unterschiedlichen Anforderungsprofilen eingerichtet, entsprechend der individuellen Leistungsfähigkeit.
Da die Rehabilitationsverläufe unterschiedlich, abhängig von den individuellen Fähigkeiten verlaufen, stehen zumindest zwei Hauptaspekte im Blickfeld, die durch das Projekt gewährleistet werden müssen.
Nach Abschluss der medizinischen Rehabilitationsbehandlung ist ein Teil der Klienten grundsätzlich von den körperlichen und seelischen Fähigkeiten her arbeitsfähig. Allerdings besteht noch keine realistische Möglichkeit der Arbeitsaufnahme, da (Teil-) Leistungsdefizite bestehen, die nach jahre- und jahrzehntelangem Suchtmittelmissbrauch in der im Verhältnis dazu kurzfristigen medizinischen Rehabilitation häufig nicht aufzuarbeiten sind. In individuell ausgerichteten Trainingsprogrammen wird eine Arbeitsaufnahme auf dem Arbeitsmarkt vorbereitet.
Für den Personenkreis, der bereits chronifiziert ist und für den eine Arbeitsaufnahme auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr realistisch erscheint, wird eine arbeits-marktähnliche, längerfristige tagesstrukturierende Beschäftigung angeboten, die mehr ergotherapeutische Anteile umfasst, um noch vorhandene Fähigkeiten zu erkennen und fördern. Auch die eventuell sich stellende Frage einer Berentung bzw. Teilberentung findet Berücksichtigung.
Die Arbeit hat einen rehabilitativen Charakter und ist auf eine Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit ausgerichtet. Mit den Beschäftigten wird in Abstimmung mit anderen eventuell am Rehabilitationsprozess Beteiligten (Wohnen, ambulante Betreuung) eine Reha-Planung vorgenommen. Art und Umfang der Tätigkeit und Zielsetzung werden mit den Beschäftigten in einem „Arbeitsbündnis“ vereinbart.
Die Beschäftigten bestreiten ihren Lebensunterhalt aus anderen Einkommensquellen, wie z. B. Hilfe zum Lebensunterhalt und Rente. Das Arbeitsprojekt bietet die Möglichkeit, diese i.d.R. geringen Einkünfte durch Zuverdienst aufzubessern, der sich aus den Arbeitserlösen speist.




