Hepatitis
Hepatitis - Was ist das?
Virushepatitis ist der medizinische Fachausdruck für übertragbare Leberentzündungen. Wegen eines sehr auffälligen Krankheitszeichens, der Gelbfärbung der Haut, ist sie auch als Gelbsucht geläufig. Heute ist allerdings bekannt, dass eine solche Infektion auch ohne diese Hautverfärbung verlaufen kann.
Je nachdem, welcher Erreger die Leberentzündung hervorruft, können heute sechs verschiedene, meldepflichtige Virushepatitiden unterschieden werden: Hepatitis A, B, C, D, E und G. Bei jeder Hepatitisform sind unterschiedliche Übertragungs, Risikogruppen, Krankheitsverläufe und Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen. In der Regel zeigen erst genaue Blutuntersuchungen, um welche Infektion es sich handelt. Eine ursächliche Therapie akut verlaufender Hepatitiserkrankungen ist derzeit nicht möglich, um so wichtiger ist die Vorbeugung.
Im folgenden erhalten Sie Informationen über die drei häufigsten Formen: Hepatitis A, Hepatitis B und Hepatitis C.
Hepatitis A
Verbreitung
In Deutschland werden jährlich etwa 5000 bis 8000 Hepatitis-A-Fälle gemeldet. Die Zahl der Infektionen dürfte jedoch deutlich höher liegen. Meist treten die Erkrankungen als örtlich begrenzte kleinere Epidemien auf. In Ländern mit ungenügender Abfall sowie Abwasserbeseitigung und unzureichender Trinkwasseraufbereitung infiziert sich ein großer Teil der Bevölkerung bereits in der Kindheit. Die Infektion verläuft oft unbemerkt, hinterläßt jedoch lebenslange Immunität. Bei uns hat die Durchseuchung und damit der Schutz vor Ansteckung, insbesondere von Kindern und jungen Erwachsenen, stark abgenommen. Daher ist das Risiko, sich bei einer Reise mit dem Hepatitis-A-Virus zu infizieren, größer geworden. 30 bis 50 Prozent der in Deutschland auftretenden Hepatitis-A-Fälle werden bei einer Reise erworben, und zwar unabhängig vom Reisestil.
lnfektionswege
Das Hepatitis-A-Virus (HAV) wird hauptsächlich über den Mund (oral) aufgenommen. Problematisch ist besonders, dass bereits ein bis zwei Wochen vor dem Auftreten der ersten Krankheitssymptome große Virusmengen mit dem Stuhl ausgeschieden werden und auch Infizierte, die nicht krank werden, ansteckend sind. Die Virusausscheidung dauert mehrere Wochen an. Der mit dem Stuhl ausgeschiedene Erreger wird bei direktem Kontakt mit infizierten Personen oder bei der gemeinsamen Benutzung von Toiletten, Handtüchern oder Eßutensilien durch Schmierinfektion übertragen.
Mit Fäkalien verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel sind ebenfalls häufige Infektionsquellen. Besonders in Ländern mit hohem Vorkommen der Hepatitis A sind daher nicht ausreichend erhitzte Speisen oder Getränke sowie Salate oder ungeschälte Früchte, auch solche, die mit verunreinigtem Wasser gewaschen wurden, eine mögliche Übertragungsquelle.
Risikogruppen
- Reisende in Verbreitungsgebiete der Hepatitis A; dazu gehören: Länder in Asien, Afrika, im Mittelmeerraum einschließlich der Türkei, in Osteuropa, Mittel- und Südamerika sowie im Nahen Osten.
- Personengruppen, die besonders durch den berufsbedingt häufigen Stuhlkontakt gefährdet sind;
- Personen, die in engem Kontakt zu Hepatitis-A-Infizierten oder Erkrankten stehen;
- homosexuell aktive Männer;
- Drogenabhängige:
In dieser Risikogruppe erfolgt die Übertragung der Krankheit meist durch engen persönlichen Kontakt bei schlechten hygienischen Bedingungen.
Krankheitsverlauf
Die Inkubationszeit, dass heißt der Zeitraum von der Ansteckung bis zum Ausbruch der ersten Krankheitssymptome, beträgt bei Hepatitis A zwei bis sechs Wochen. Bereits ein bis zwei Wochen vor Krankheitsausbruch können große Virusmengen mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Bei Kindern verläuft eine Hepatitis-A-Infektion in den meisten Fällen unbemerkt. Entwickeln Kinder eine "Gelbsucht", ist der Krankheitsverlauf in der Regel leicht. Erwachsene erkranken meist schwerer. Die ersten Krankheitszeichen ähneln denen einer Grippe. Es kommt zu einem allgemeinen Krankheitagefühl mit: Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen, Fieber, gelegentlich Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Im weiteren Verlauf können der Urin dunkel und der Stuhl hell werden sowie die typische Gelbfärbung des weißen Bereichs des Augapfels und der Haut dazukommen. Die Krankheit dauert ungefähr vier bis sechs Wochen und heilt in der Regel spontan aus. Sehr selten treten Komplikationen mit tödlichem Ausgang auf. Chronische Verlaufsformen wurden nicht beobachtet. Eine einmal durchgemachte Infektion schützt lebenslang vor einer Neuerkrankung.
Vorbeugung
Hygiene:
Da Hepatitis A insbesondere bei schlechten Hygieneverhältnissen gehäuft auftritt, sind Maßnahmen der persönlichen Hygiene, zum Beispiel Händewaschen nach dem Toilettengang und vor dem Essen, sowie Sauberkeit im Umgang mit Lebensmitteln und Küchengerätschaften besonders zu beachten. In gefährdeten Gebieten kein rohes oder nicht selbst geschältes Obst essen, auf frisch gekochtes (!) Essen besonders achten. Merke: Koch es, schäl es oder laß es. Auf nicht abgekochtes Wasser, Eiswürfel, Speiseeis und nicht frisch erhitzte Getränke verzichten. Getränke in Flaschen oder anderweitig verpackt sind gewöhnlich sicher. Hepatitisviren sind sehr widerstandsfähig. Sie werden erst durch längere's Erhitzen bei mehr als 85 Grad Celsius abgetötet.
Schutzimpfung:
Für Angehörige der Risikogruppen empfiehlt sich eine aktive Schutzimpfung, bevor sie sich einer erhöhten Infektionsgefahr aussetzen. Da der Impfschutz frühestens nach zwei Wochen einsetzt, ist eine rechtzeitige Impfung wichtig. Eine Auffrischung nach sechs bis zwölf Monaten garantiert dann einen Schutz für mindestens fünf bis zehn Jahre.
lmmunglobulin:
Wenn kurzfristig, innerhalb von ein bis zwei Tagen, ein Schutz erreicht werden soll, ist die Gabe von Immunglobulin angezeigt. Dieser Schutz hält einige Wochen bis Monate an. Eine Kombination mit der Schutzimpfung ist möglich.
Hepatitis B
Verbreitung
In Deutschland haben etwa fünf Prozent der Bevölkerung eine Hepatitis-B-Infektion durchgemacht. Jährlich werden etwa 5000 bis 8000 Erkrankungsfälle gemeldet. Da viele Erkrankungen nicht bemerkt werden, liegt die tatsächliche Zahl der Infektionen vermutlich zwischen 20.000 bis 40.000 pro Jahr. Etwa ein halbes Prozent der Deutschen sind Hepatitis-B-Virus-Träger, häufig mit einem chronischen Leberschaden. In subtropischen Regionen sind bereits drei bis fünf Prozent, in Teilen Asiens und Afrikas sogar 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung HBV-Träger.
lnfektionswege
Die Übertragung des Hepatitis-B-Virus (HBV) erfolgt sexuell und über den Blutweg (parenteral). Infektiös sind Blut und andere Körperflüssigkeiten, zum Beispiel: Sperma von akut Erkrankten oder chronischen Virusträgern. So sind auch verunreinigte Rasierapparate, Spritzen, Nadeln und andere Instrumente (zum Beispiel bei Drogenabhängigen, beim unqualifizierten Tätowieren oder Ohrlochstechen) als mögliche lnfektionsquellen zu beachten.
Risikogruppen
- Medizinisches Personal einschließlich Laborpersonal und Pflegepersonal, das Personen mit einem erhöhten HBV-Risiko versorgt
- Patientinnen und Patienten mit häufiger Übertragung von Blut oder Blutbestandteilen, zum Beispiel Bluterkranke oder Dialysepatienten
- Personen mit engem Kontakt zu akut oder chronisch Erkrankten beziehungsweise Infizierten, besonders Neugeborene, deren Mütter HBV-Trägerinnen sind, Sexualpartnerinnen und -partner von HBV-Trägern
- Homosexuelle
- Prostituierte
- intravenös Drogenabhängige.
Krankheitsverlauf
Nach einer sehr langen Inkubationszeit von zwei bis sechs Monaten kann sich eine Leberentzündung mit ähnlichen Symptomen wie bei einer Hepatitis A entwickeln. Zusätzlich können weitere unspezifische Symptome wie Hautrötung, -ausschläge oder Gelenkschmerzen dazukommen. Auch bei dieser Hepatitisform verläuft ein großer Teil der Fälle zunächst ohne Krankheitssymptome. Kommt es zu einer akuten Leberentzündung, verläuft diese in der Regel schwerer. Ungefähr zehn Prozent der Infizierten werden zu chronischen Virusträgern. Ein Teil dieser Patientinnen und Patienten bleibt ohne Krankheitssymptome, die anderen entwickeln eine chronische Leberentzündung. In der Folge besteht dann die Gefahr, an einer Leberzirrhose oder an Leberkrebs zu erkranken. Ansätze für die Behandlung der chronischen Hepatitis B sind in der klinischen Überprüfung; in den kommenden Jahren wird mit verbesserten Behandlungserfolgen gerechnet.
Vorbeugung
- Hygiene:
Strikte Hygienemaßnahmen beim Gebrauch medizinischer Gerätschaften, zum Beispiel Injektions- oder Tätowierungsnadeln, sowie beim Umgang mit HBV-Trägern sind unerläßlich. Besondere Vorsichtsmaßnahmen werden bei der Auswahl von Blut-Spenderinnen und -spendern sowie der Herstellung von Blutkonserven und -produkten angewandt.
- Schutzimpfung:
Die Hepatitis-B-Grundimmunisierung besteht aus mehreren Einzelimpfungen in bestimmten Abständen. Die anschließende Dauer des Impfschutzes und damit der Zeitpunkt für eine nötige Auffrischimpfung sollte durch eine einmalige Blutuntersuchung bestimmt werden. Eine gleichzeitige Impfung gegen Hepatitis A und B ist möglich.
- Hyperimmunglobulin:
Kurz nach Kontakt mit dem Erreger kann ein Krankheitsausbruch durch die Gabe eines speziellen Immunglobulins verhindert werden. Auch eine gleichzeitige Schutzimpfung ist möglich. Diese passive-aktive Immunisierung wird auch bei Neugeborenen von HBV-infizierten Müttern empfohlen, um ein chronisches HBV-Trägertum sowie die Gefahr einer frühen Leberzirrhose zu vermeiden. Daher wird allen Schwangeren eine Voruntersuchung angeboten.
Hepatitis C
Verbreitung
Das Hepatitis-C-Virus ist weltweit eine der Hauptursachen der chronischen Hepatitis sowie der Leberzirrhose. Von den in Deutschland jährlich circa 15.000 bis 20.000 gemeldeten Hepatitiserkrankungen entfallen etwa 20 Prozent auf Hepatitis C. Das Hepatitis-C-Virus wurde für die meisten Hepatitiserkrankungen bei Empfängerinnen und Empfängern von Blut oder Blutprodukten als Ursache gefunden. Da der Erreger erst 1988/89 identifiziert wurde und bis vor wenigen Jahren im Blut nicht nachgewiesen werden konnte, wurden viele Bluterkranke infiziert. Inzwischen konnte das Risiko der Übertragung stark reduziert werden.
lnfektionswege
Das Hepatitis-C-Virus (HCV) wird überwiegend über infiziertes Blut oder Blutbestandteile (parenteral) übertragen. So kommt es, dass bei der Verwendung von verunreinigten Spritzen oder Kanülen und bei Schleimhautkontakten mit HCV-haltigem Blut oder blutigem Sekret eine Ansteckung möglich ist. Andere Übertragungswege sind noch nicht vollständig geklärt. Die Ansteckung bei sexuellen Kontakten ist möglich, jedoch seltener als bei Hepatitis B oder AIDS.
Risikogruppen
- Intravenös Drogenabhängige
- Patientinnen und Patienten mit häufiger Übertragung von Blut oder Blutbestandteilen, wie Bluterkranke oder Dialysepatienten
Krankheitsverlauf
Die Inkubationszeit der Hepatitis C beträgt 20 bis 60 Tage. Es fehlen weitgehend die grippeähnlichen Anfangssymptome wie sie bei der Hepatitis A oder B auftreten. Bei ungefähr 75 Prozent der Infizierten verläuft die Erkrankung ohne "Gelbsucht" nur mit allgemeinem Krankheitsgefühl oder sogar völlig symptomlos. Bei etwa 20 bis 25 Prozent der Infizierten entwickelt sich eine akute, häufig mild verlaufende Leberentzündung. Bei mehr als der Hälfte der Infizierten entsteht eine chronische Form. Infolge des anfänglich oft symptomlosen Verlaufs wird die chronische Erkrankung oft erst nach Jahren erkannt. Schwerwiegende Folgen können Leberzirrhose oder Leberkrebs sein. Wie bei der Hepatitis B gibt es auch für die chronische Hepatitis C Behandlungsansätze, die in den kommenden Jahren zu einem verbesserten Behandlungserfolg führen können.
Vorbeugung
Gegenwärtig sind Vorsichtsmaßnahmen die einzige Möglichkeit, sich vor Hepatitis C zu schützen. Dazu gehört die Hygiene im Umgang mit Patientinnen und Patienten sowie mit medizinischen Gerätschaften Niemals dürfen Spritzbestecke von mehreren Personen verwendet werden. Besondere Vorsichtsmaßnahmen werden bei der Auswahl von Blutspenderinnen und -spendern sowie der Herstellung von Blutkonserven und -produkten angewandt.
| Virus | |||
| Infektiöses Material | (Faeces) |
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| Übertragungsweg | |||
| Inkubationszeit |
2 - 6 Wochen |
6 - 26 Wochen |
3 - 10 Wochen |
| Hauptfaktoren bei Übertragung | |||
| Krankheitsverlauf |
Symptomlos bis Wochen bis Monate |
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| Chronische Form | |||
| Mögliche Spätschäden | |||
| Prophylaxe |




